| Zu Tische, Gast! |
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| Geschrieben von Renate Müller DePaoli | |
| Sonntag, 11. März 2007 | |
"Zu Tische, Gast!"![]() C. F. Meyer “Der Kinder Blick Hangt schreckensstarr am Gast und hangt am Herd entsetzt ... Die Flamme zischt. Zwei Füße zucken in der Glut. - "Verdammt! Dasselbe Wappen! Dieser selbe Saal! Drei Jahre sind's ... Auf einer Hugenottenjagd Ein fein, halsstarrig Weib . . . 'Wo steckt der Junker? Sprich!' Sie schweigt. 'Bekenn!' Sie schweigt. 'Gib ihn heraus!' Sie schweigt.“ Die Szenerie ist klar! Dabei macht es keinen Unterschied, ob es um die grausamen Verbrechen - besonders nach der Aufhebung des Toleranzediktes von Nantes unter Ludwig XIV - im 17. Jahrhundert während der Hugenottenverfolgung geht, die eine Fluchtwelle von einer viertel Million Menschen auslöste., ob wir in der Geschichte noch weiter zurückschreiten oder in die Gegenwart voranschreiten: ob wir an die Gräuel während des 1. Weltkriegs denken oder an die Vernichtung von Menschenleben im 2. Weltkrieg und die Entwurzelung und Vertreibung von Millionen Menschen; ob wir uns die Verbrechen und Flüchtlingslawinen im Balkan, in Afghanistan oder Irak vor Augen halten; ob wir an den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, an Kindersoldaten und Völkermord in Afrika denken oder an die überhaupt noch nicht erfassten Folgen der Globalisierung. Das “Menschsein” wird bedroht und vernichtet! In “Die Füße im Feuer” weigert sich die Hugenottin selbst bei Androhung des Todes, dem Soldaten das Versteck ihres Mannes preiszugeben. Die Stärke und der Mut der Frau reizen den Soldaten so sehr, daß Meyer - tiefenpsychologisch absolut treffend und poetisch dicht - den Soldaten sich selbst analysierend sagen lässt: ”Ich werde wild. D e r Stolz! Ich zerre das Geschöpf ... Meyer überlässt den weiteren grausamen Todesweg der Hugenottin unserer eigenen Vorstellung und zeigt uns sofort die von Angst und Panik getriebenen Überlegungen des Soldaten: ".. Sahst du das Wappen nicht am Tor? Doch jetzt geschieht ein plötzlicher Szenenwechsel. Der Hausherr betritt den Raum und lädt ihn zum Abendessen ein: "Du träumst! Zu Tische, Gast ..." Er kann jedoch die Spannung bei Tisch nicht ertragen: “Da sitzen sie. Die drei in ihrer schwarzen Tracht Während ihm ein Diener den Weg zum Zimmer leuchtet, sieht er, wie der Sohn dem Vater ins Ohr flüstert. Der Leser ahnt, worum es geht: Die Wahrheit über den Tod der Mutter. In Panik verriegelt er die Tür, überprüft seine Pistole und sein Schwert und bereitet sich auf die von ihm erwartete Rache des Hausherrn vor. Endlich schlummert er ein und erlebt im Traum noch einmal die grauenhafte Tat der Verbrennung. Doch diesmal verbrennt nicht die standhafte Hugenottin sondern er selbst. “Er träumt. "Gesteh!" Sie schweigt. "Gib ihn heraus!" Sie schweigt. All seine Vorsichtsmaßnahmen sind nutzlos gewesen, denn der Hausherr rüttelt ihn plötzlich wach: "Erwach! Du solltest längst von hinnen sein! Es tagt!" Er ist durch die Tapetentür in sein Zimmer gelangt und steht – offensichtlich schon lange - vor seinem Bett. Doch der Schlossherr, “dem gestern dunkelbraun sich noch gekraust das Haar” ist durch den inneren Kampf, den er mit sich selbst führte , über Nacht völlig ergraut. Der Hugenotte bringt seinen Gast noch auf den Weg, gemeinsam reiten sie durch den Wald und die herrliche Natur. Der Reiter “lauert” auf den Angriff und entscheidet sich endlich, selbst in die Offensive zu gehen: "Herr, Die Antwort, die Conrad Ferdinand Meyer dem Hugenotten “in den Mund und Herz” legt, könnte für den Soldaten des “größten” Königs, Ludwig XIV, und uns, den Leser, nicht klarer sein: "Du sagst's! Dem größten König eigen! Heute ward Mit dieser Aussage schickt Conrad Ferdinand Meyer den Leser in die Realität zurück – provoziert und sicher hoffend, dass ihm der “höchste Richter” zwar gerecht, aber doch gnädig und vergebend begegnen wird! Er ahnt, dass auch er Rechenschaft ablegen muß. “Der Gedanke ist der Vater der Tat!” wird hierbei dann der richterliche Maßstab sein! Hat die Geschichte uns doch in vielen grausamen Beispielen gezeigt, wohin gefährliche Denkklischees, Vorurteile und. Unwissen führen, besonders wenn sie von “Rattenfängern” gezielt gesteuert werden. Denken und Handeln lebt von der Neugierde, von dem “Kennenlernen-Wollen, dem Verstehen- und Wissen-Wollen” über den “Anderen” und “das Neue” – die Basis von menschlichem Zusammenleben und wirklicher Gastfreundschaft. Deshalb sagen auch wir, die Mitglieder von “Convivio mundi” (Gastmahl der Welt) “Zu Tische, Gast” und laden Sie ein, uns und unsere Arbeit kennenzulernen. Gilt es nicht gerade heute das Verstehen von Kulturen, Religionen, Ethnien etc. auf das eigentliche, wesentliche Konzept zurückzuführen, nämlich die Idee des “Nächsten” in seiner fundamentalen Bedeutung: das Wissen und Ringen um das “Mensch Sein des Anderen”, um das eigene “Mensch Sein” zu finden! “Die Poesie ist das Leben, gesehen in Reinheit und gefaßt in den Zauber der Sprache!” hat uns Jakob Grimm mit auf den Weg gegeben. Beherzigen wir es. Lernen wir uns und das Leben wirklich kennen und somit auch Lösungen für unsere heutige Zeit finden.
Die Füße im Feuer Wild zuckt der Blitz. In fahlem Lichte steht ein Turm. |
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| Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 3. Mai 2007 ) |
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